13.09.2026
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Chartern in Ibiza und Mallorca


Die Balearen sind ein attraktives Charterrevier, verlangen in einigen Punkten aber eine andere Törnplanung als beispielsweise Kroatien oder Griechenland. Besonders rund um Ibiza und Formentera spielen Posidonia-Schutz, reservierungspflichtige Bojenfelder, volle Buchten und viel Bootsverkehr eine große Rolle. Dazu kommen im Hochsommer Hitze und Wetterlagen, die man trotz zunächst ruhiger Bedingungen im Auge behalten sollte. Wer diese Besonderheiten vor dem Charter kennt, kann sich während des Törns einiges an Stress ersparen.


Beim Ankern ist Posidonia tabu

 

Einer der wichtigsten Punkte auf den Balearen betrifft das Ankern. Die großen Posidonia-Seegraswiesen stehen unter besonderem Schutz und dürfen durch Anker und Kette nicht beschädigt werden. Für den Skipper bedeutet das: Vor dem Ankermanöver genau prüfen, was unter dem Boot liegt.

In vielen Buchten wechseln sich Sandflächen und Seegras ab. Eine freie Stelle auf der Karte bedeutet deshalb noch lange nicht, dass man den Anker einfach fallen lassen sollte. Hilfreich ist die offizielle Posidonia-Kartografie der Balearen. Bei gutem Licht lässt sich der Untergrund zusätzlich häufig vom Bug aus erkennen.

 

Die Kontrollen sollte man ernst nehmen. Während der Saison sind auf den Balearen zahlreiche Überwachungsboote unterwegs, die gezielt den Schutz der Posidonia kontrollieren. Rund um Ibiza und Formentera haben wir selbst erlebt, dass dabei teilweise sehr genau hingeschaut wird. Falsch zu ankern kann entsprechend teuer werden.

Am besten gehört die Prüfung des Untergrunds genauso selbstverständlich zum Ankermanöver wie Wassertiefe, Schwojkreis und Wetter.

 

Landleinen verändern die Planung in kleinen Buchten

 

Eine weitere Besonderheit betrifft Landleinen. Wer häufig in Kroatien segelt, kennt das klassische Manöver: Anker voraus, anschließend eine oder zwei Leinen vom Heck an Land und das Boot sitzt sauber in der Bucht.

Auf den Balearen sollte man diese Möglichkeit nicht einplanen. In der Praxis bedeutet das vor allem, dass man weniger Möglichkeiten hat, die Yacht gezielt zum Schwell auszurichten.

 

Das kann unangenehm werden, wenn Wind und Schwell aus unterschiedlichen Richtungen kommen. Das Boot richtet sich vor Anker nach den jeweils wirkenden Kräften aus und liegt dadurch mitunter quer zur Welle. Gerade bei Monohulls kann das schnell ungemütlich werden.

Aus eigener Erfahrung kann in passenden Situationen ein zusätzlicher Heckanker eine Lösung sein. Dabei müssen natürlich genügend Platz, die Position der Nachbarboote, mögliche Winddreher und der Untergrund berücksichtigt werden. Auch ein zweiter Anker darf keinesfalls in Posidonia liegen.

 

S’Espalmador und Es Caló de s’Oli früh reservieren

 

Einige der schönsten Übernachtungsplätze rund um Ibiza und Formentera sind mit regulierten Bojenfeldern ausgestattet. Dazu gehören unter anderem S’Espalmador und Es Caló de s’Oli.

Beide würde ich für einen Balearen-Törn klar empfehlen. Gleichzeitig sollte man sich in der Hauptsaison möglichst früh darum kümmern. Nach unserer Erfahrung sind etwa zwei Wochen Vorlauf sinnvoll, wenn ein bestimmter Tag fest in der Route eingeplant werden soll. Je früher die Törnplanung steht, desto besser.

Die Reservierung läuft über das System von PortsIB. Bei Charteryachten wird dafür ein Boat Code benötigt, den du vom Vercharterer beziehungsweise von der Charterbasis bekommst.

Trotz Reservierung sollte die Route natürlich flexibel bleiben.

 

Rund um Ibiza ist viel Verkehr auf dem Wasser

 

Wer Ibiza und Formentera hauptsächlich von Land kennt, unterschätzt leicht, wie viel während der Saison auch auf dem Wasser los ist. Fähren zwischen den Inseln, Ausflugsboote, Taxis, Tender großer Yachten, Daycharter und private Motorboote sorgen teilweise für ordentlich Verkehr.

Besonders in beliebten Buchten fällt das auf. Neben der Kollisionsvermeidung spielt dabei der Schwell eine Rolle. Ein vermeintlich ruhiger Ankerplatz kann tagsüber durch vorbeifahrende Boote deutlich unruhiger werden.

 

Beim Schwimmen oder mit dem Dinghy sollte man den Verkehr ebenfalls im Blick behalten. Vor allem auf viel befahrenen Routen zwischen Ibiza und Formentera ist erhöhte Aufmerksamkeit sinnvoll.

 

Gewitter können die Bedingungen schnell verändern

 

Im balearischen Sommer gibt es viele Tage mit ruhigem und gut planbarem Wetter. Trotzdem sollte man die Vorhersage während des Törns regelmäßig aktualisieren.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Gewitterlagen. Sie können lokal kräftige Böen bringen und aus einem zunächst unspektakulären Wettertag innerhalb relativ kurzer Zeit eine unangenehme Situation machen. Wenig Wind am Morgen ist deshalb kein Grund, den Wettercheck für den Rest des Tages abzuhaken.

 

Für die Planung lohnt sich neben den üblichen Wetter-Apps ein Blick auf die offiziellen maritimen Vorhersagen und Warnungen von AEMET. Bei angekündigten Gewittern würde ich die Nacht lieber an einem wirklich gut geschützten Platz verbringen und Bojen bevorzugen.

 

Im Hochsommer ist eine Klimaanlage viel wert

 

Juli und August können auf Ibiza, Formentera und Mallorca sehr heiß werden. Auf Ibiza liegen die durchschnittlichen Tageshöchstwerte zu dieser Zeit um 30 Grad, und selbst nachts bleibt es im Mittel über 20 Grad warm.

 

An Bord fühlt sich das bei wenig Wind schnell deutlich unangenehmer an. Besonders in den Kabinen steht die Luft nachts teilweise regelrecht.

Wer im Hochsommer chartert und bei der Yachtwahl etwas Spielraum hat, sollte deshalb eine Klimaanlage durchaus als Auswahlkriterium berücksichtigen. Auf einem Katamaran oder einer größeren Yacht mit Generator und leistungsfähiger Klimatisierung macht das nach einem heißen Tag einen erheblichen Unterschied.

 

Mallorca oder direkt auf Ibiza chartern?

 

Bei der Suche nach einer Charteryacht lohnt sich auch ein Vergleich mit Mallorca. Dort ist das Angebot groß und je nach Termin und Yacht können sich preislich interessante Alternativen zu einer Basis direkt auf Ibiza ergeben.

Die zusätzliche Strecke darf man dabei nicht unterschätzen. Wer eigentlich Ibiza und Formentera erkunden möchte, muss von Mallorca erst einmal über das offene Meer zu den Pityusen. Je nach Ausgangshafen und Ziel kommen schnell 60 bis 80 Seemeilen oder mehr pro Richtung zusammen.

 

Bei einer einwöchigen Charter kann das einen erheblichen Teil der verfügbaren Zeit kosten. Wer tagsüber fährt, verwendet große Teile des ersten und letzten Abschnitts des Törns für die Überfahrt. Eine Nachtfahrt kann mehr Zeit vor Ibiza und Formentera schaffen, setzt aber eine entsprechend erfahrene Crew, geeignete Bedingungen und ein passendes Boot voraus.

 

Vor der Buchung würde ich deshalb nicht allein den Charterpreis vergleichen. Entscheidend ist der Gesamtplan: Wie viele Tage möchtest du tatsächlich rund um Ibiza und Formentera verbringen, wie schnell ist das Boot und wie wohl fühlt sich die Crew mit einer längeren offenen Passage?

Wer hauptsächlich Mallorca erkunden und Ibiza eventuell ergänzen möchte, hat eine andere Ausgangslage. Für einen reinen Ibiza-Formentera-Törn ist eine Basis direkt auf Ibiza meist deutlich entspannter.

 

Gute Vorbereitung lohnt sich auf den Balearen

 

Die Balearen lassen viel Freiheit bei der Törnplanung, einige Dinge sollte man jedoch bereits vor dem Ablegen geklärt haben. Besonders die gewünschten Bojenplätze würde ich früh reservieren und die Posidonia-Karten vor dem ersten Ankermanöver griffbereit haben. Dazu kommen ein regelmäßiger Wettercheck und etwas Reserve für volle Buchten und viel Verkehr.

Wer das Revier aus Kroatien oder Griechenland gewohnt angeht, muss sich vor allem beim Ankern etwas umstellen. Hat man die Besonderheiten einmal verinnerlicht, sind Ibiza, Formentera und Mallorca ein sehr vielseitiges Revier für eine Charterwoche.