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Karibik: Unfall an Bord
Nach bereits einigen kleineren Verletzungen an Bord durfte ich bei meinem letzten Törn auf den Windwards zum ersten Mal die Seenotrettung alarmieren, um ein Crewmitglied versorgen zu lassen. Damit du weißt, was in so einem Fall zu tun ist, erzähle ich dir von unserem Vorfall und worauf es in so einer Situation ankommt.
Oft geht es schneller, als man schauen kann. In unserem Fall haben wir gerade vor Saltwhistle Bay an einer Boje festgemacht, während eines klassischen karibischen Schauers. Nach dem erfolgreichen Manöver ist es jedoch passiert: Ein Crewmitglied ist auf dem nassen GFK ausgerutscht und ein paar Stufen vom Kat heruntergefallen, nur um den Sturz mit dem Arm abzufangen. Plötzlich kam der Schmerz, und die Stelle wurde auch schnell blau – vermutlich gebrochen.
Was würdest du nun in dieser Situation tun? Wenn du nicht gerade Ärzte an Bord hast, gibt es zwei gute Optionen:
- Bremen Rescue: Bremen Rescue ist die deutsche Leitstelle für Seenotrettung und Notfälle an Bord. Sie ist rund um die Uhr erreichbar, auch über WLAN-Telefonie oder sogar Microsoft Teams. Bremen Rescue hat einen Sanitäter auf Abruf, der dich direkt am Telefon beraten kann. Außerdem benachrichtigen sie die zuständigen lokalen Behörden und unterstützen bei der Suche nach geeigneten Krankenhäusern und medizinischer Versorgung.
- Air-doc: Wenn du keinen Arzt kennst, den du persönlich anrufen kannst, versuche es mit Air-doc. Über diesen Service wirst du schnell mit einem Arzt verbunden, und meist ist das sogar von der Krankenversicherung gedeckt. Der Arzt wird dir dann auch per Video zugeschaltet. Generell empfiehlt sich ohnehin eine Auslandskrankenversicherung.
In unserem Fall haben wir Bremen Rescue kontaktiert. Sie haben das MRCC Port of Spain benachrichtigt. Diese sitzen in Tobago und sind zuständig für die Versorgung auf St. Vincent und den Grenadinen. Sie haben uns beraten, sodass wir entschieden haben, nach Norden Richtung St. Vincent zu fahren. MRCC Port of Spain hat außerdem direkt die Küstenwache von St. Vincent benachrichtigt.
Nachdem wir uns vergewissert hatten, dass Bequia, das auf dem Weg gelegen hätte, keine gute Alternative war (kein Röntgengerät), sind wir bis Blue Lagoon gefahren.
Nach dem Anfunken der Küstenwache kam diese mit ihrem Speedboat und hat unsere Verletzte plus Begleitung eingesammelt und nach Kingstown gebracht. Dort wurde sie vom örtlichen Krankenwagen abgeholt und ins Kingstown General Hospital gebracht.
Die medizinische Versorgung dort war nach europäischem Standard in Ordnung, aber nicht besonders gut. Immerhin gab es ein Röntgengerät. Sowohl die Küstenwache als auch die Sanitäter waren dennoch besonders bemüht und freundlich.
Nach längerem Warten wurde das Crewmitglied behandelt und konnte anschließend zurück an Bord kommen.
Gekostet haben die Küstenwache und die Versorgung im Krankenhaus nichts.
Wie in vielen Segelrevieren sind die lokalen medizinischen Versorgungsstellen nicht wirklich zu empfehlen, aber manchmal geht es eben nicht anders. Wir hatten das Glück, den Segeltörn ohne weitere Zwischenfälle fortsetzen zu können.
Anbei noch die Kontakte, die ich erwähnt habe, falls du sie doch einmal brauchen solltest. Falls du Starlink hast, kannst du darüber auch über WLAN telefonieren.
MRCC Bremen Rescue
+49 421 53 6870
MRCC Port of Spain (Sitz in Tobago, zuständig für die Grenadinen)
+1 868 634 8824
St. Vincent Coast Guard
+1 784 457 4578




